So schön es ist zu Hause zu arbeiten, für die Kinder da zu sein am Nachmittag und alles mit zu bekommen was so passiert, so frustrierend ist es zeitweise.

Der Job ist anstrengend, machen wir uns nichts vor. Man kann eben nicht die ganze Zeit auf dem Sofa hocken und den lieben Kindern beim Spielen zuschauen, wenn die sich gegenseitig Erforschen, an den Haaren ziehen oder einem sonst das ganze Wohnzimmer zerlegen.

Da ich keine anderen Räumlichkeiten habe findet meine Arbeit in unserem Wohnzimmer statt. Und da die Eltern hier in der Umgebung sehr großen Wert darauf legen, dass die Räume kindgerecht gestaltet sind sieht mein Wohnzimmer eben nicht aus wie mein Wohnzimmer. Selbst wenn ich aufräume und alles verpacke sieht es immer noch mehr nach Kinderstube aus als nach meinem Wohnzimmer. Es hängen keine Gothic-Flaggen mehr, keine Kerzenleuchter an den Wänden und lauter solches Zeug das ich abgenommen habe, nachdem ich in der Zeit als es noch hing eben gar keine Kunden bekam. Selbst die Piratenflagge von Simons Geburtstagsfeier an der Wand hat die potentiellen Kunden erschreckt. Überall steht Spielzeug herum aus dem Laura schon längst heraus gewachsen ist.

Ich betreue 34,5 Stunden in der Woche Kinder (manchmal mehr). Dazu kommen einkaufen, putzen (ja, 3-4 Kinder mehr machen auch mehr Schmutz, auch weil andere Reinlichkeit gelten muss als wenn ich meiner Familie hier alleine lebe), Basteleien vorbereiten, Fortbildungen besuchen, Papierkram (sonst bekomme ich kein Geld) und „dem Geld hinterher rennen“.

Ich bekomme monatlich 940 Euro brutto. Davon ab gehen erhöhte Stromkosten, erhöhter Wasserverbrauch, Müllgebühren, Bastelkram, Mittagessen für die Kinder die hier essen, Krankenkasse(hälftig), Rentenversicherung(hälftig), Berufsunfallkasse, regelmäßige Fortbildungen und last but not least natürlich auch Einkommenssteuer. Was übrig bleibt ist Peanuts. Wenn man das rechnet was das Amt rechnet habe ich einen Lohn von 423 Euro, der Rest sind Betriebskosten.

Wenn mir der Job keinen Spaß machen würde, wenn ich nicht gerne nachmittags, nach dem Kindergarten und nach der Schule für meine Kinder (neben den vielen anderen Kindern) da sein wollte, ich glaube ich hätte den Kram schon längst hingeschmissen. Als wir hier her zogen wurde mir erzählt, man habe sooo viele Kunden, die nur auf eine Tagesmutter hier in der Marsch warten, man versprach mir 4-5 Kinder mit je 20-40 Stunden. Davon könnte man super leben. So kann man das leider nicht, da eben fast alle meine Kinder unter 20 Stunden bei mir sind oder eben so an der 20 Stunden Grenze kratzen. Leider verteilen sich die Betreuungszeiten für die Kinder so doof, dass eben trotzdem 34,5 Stunden Kinderbetreuung dabei heraus kommen.

Leider ist es halt so, dass die Eltern nicht mehr für die Kinderbetreuung ausgeben können/wollen/dürfen, als das was sie schon tun. Der Kreis hier unterstützt nur Kinder die bedürftig sind, oder eben welche, die keinen Krippenplatz bekommen haben und aber unterschreiben, dass sie einen Annehmen sobald einer frei wird. Und zwar egal bei welcher Krippe im Umkreis. Was damit den Kindern angetan wird ist dem Kreis egal, hauptsache die Kosten bleiben schön gering.

Was ich mir wünschen würde wäre ein Mindestlohn für Tagesmütter. Und zwar ein mindest-Lohn – nicht irgendwas was dann die Betriebskosten mit abdeckt oder so ein Schmarrn. Aber wenn wir eh alle vom Jugendamt bezahlt werden sollen, dann doch bitte auch zu vernünftigen Konditionen.

So. Genug gejammert. Im Moment habe ich eh keine andere Wahl, also mache ich weiter wie gehabt. Ich schreibe das hier nur auf, weil erstens immernoch viele Leute denken, „die Tagesmutter bekommt ja 700 Euro pro Kind, da muss sie ja reich sein“ und „die Tagesmutter arbeitet ja nur 34 Stunden die Woche, ist klar, dass sie nicht viel verdient“ und solche Vorurteile. Zum zweiten schreibe ich es auf, weil ich mir auch mal den Frust von der Seele schreiben muss, und zum dritten, damit hier mal wieder was passiert 😉 *Staub vom Blog puste*

Advertisements